Grüne Entwässerung: So entlasten Sie die Kanalisation bei Starkregen

Grüne Entwässerung: So entlasten Sie die Kanalisation bei Starkregen

Wenn der Regen in Strömen fällt und die Kanalisation überfordert ist, stehen viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer vor überfluteten Kellern und nassen Gärten. Durch den Klimawandel treten Starkregenereignisse in Deutschland immer häufiger auf – und unsere Abwassersysteme stoßen an ihre Grenzen. Doch es gibt Lösungen, die sowohl Ihr Grundstück schützen als auch der Umwelt zugutekommen. Grüne Entwässerung bedeutet, Regenwasser direkt auf dem eigenen Grundstück zu bewirtschaften, anstatt es vollständig in die Kanalisation zu leiten. Hier erfahren Sie, wie Sie damit beginnen können.
Was bedeutet „grüne Entwässerung“?
Unter grüner Entwässerung – auch bekannt als „dezentrale Regenwasserbewirtschaftung“ oder „Regenwassermanagement vor Ort“ – versteht man Maßnahmen, bei denen Regenwasser versickert, gespeichert oder verzögert abgeleitet wird. Ziel ist es, die Kanalisation zu entlasten und gleichzeitig natürliche Prozesse wie Verdunstung und Pflanzenaufnahme zu nutzen.
Das Spektrum reicht von einfachen Regentonnen bis hin zu komplexeren Lösungen wie Versickerungsmulden, Rigolen, begrünten Dächern oder wasserdurchlässigen Pflasterflächen. Allen gemeinsam ist, dass sie das Regenwasser dort halten, wo es fällt – und so einen Beitrag zu einer klimaresilienten Stadt leisten.
Warum sich grüne Entwässerung lohnt
Es gibt viele gute Gründe, Regenwasser selbst zu managen:
- Weniger Überschwemmungen – Sie reduzieren die Wassermenge, die bei Starkregen in die Kanalisation gelangt.
- Schutz der Gewässer – Versickerndes Regenwasser wird im Boden gefiltert und gelangt sauberer in das Grundwasser.
- Finanzielle Vorteile – In vielen deutschen Kommunen können Sie eine Reduzierung der Niederschlagswassergebühr erhalten, wenn Sie Flächen vom Kanalnetz abkoppeln.
- Mehr Grün und Artenvielfalt – Regengärten und begrünte Dächer schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel.
Grüne Entwässerung ist also nicht nur ein Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch eine Investition in die Zukunft Ihres Grundstücks.
So starten Sie mit der Umsetzung
Bevor Sie loslegen, sollten Sie die Bodenbeschaffenheit prüfen. In Regionen mit lehmigem oder tonigem Boden kann es sinnvoll sein, mehrere Methoden zu kombinieren, um eine gute Versickerung zu erreichen. Hier sind einige bewährte Ansätze:
1. Regengarten – das natürliche Filtersystem
Ein Regengarten ist eine flache Mulde, in die Regenwasser von Dach oder Terrasse geleitet wird. Dort kann es langsam versickern, während Pflanzen einen Teil des Wassers aufnehmen. Besonders geeignet sind robuste Stauden und Gräser, die sowohl Trockenheit als auch Nässe vertragen.
2. Rigole – die unsichtbare Lösung
Eine Rigole ist ein unterirdischer Speicherraum aus Kies oder Kunststoffmodulen, in dem Regenwasser gesammelt und nach und nach in den Boden abgegeben wird. Sie ist unsichtbar, pflegeleicht und ideal für kleinere Grundstücke.
3. Gründach – Wasser speichern auf dem Dach
Ein begrüntes Dach nimmt Regenwasser auf, speichert es und gibt es zeitverzögert wieder ab. Es verbessert die Wärmedämmung, schützt die Dachabdichtung und trägt zur Kühlung der Umgebung bei. Besonders in Städten wie Berlin, Hamburg oder München fördern viele Kommunen die Anlage von Gründächern finanziell.
4. Wasserdurchlässige Beläge – Regen versickern lassen
Anstelle von Asphalt oder dichten Pflastersteinen können Sie Beläge wählen, durch die Wasser hindurchsickern kann – etwa Rasengittersteine, Kies oder spezielle Drainpflaster. So bleibt der natürliche Wasserkreislauf erhalten, und Pfützenbildung wird vermieden.
5. Regentonne – einfach und effektiv
Eine Regentonne am Fallrohr ist die unkomplizierteste Lösung, um Regenwasser zu nutzen. Das gesammelte Wasser eignet sich hervorragend zum Gießen von Pflanzen oder zur Reinigung im Außenbereich. Damit sparen Sie Trinkwasser und entlasten gleichzeitig die Kanalisation.
Kombinationen bringen den größten Nutzen
Oft ist die Kombination mehrerer Maßnahmen am effektivsten. So kann das Wasser vom Dach zunächst in eine Regentonne fließen, der Überlauf dann in einen Regengarten oder eine Rigole. Auf diese Weise wird das Wasser optimal genutzt und Überschwemmungen werden vermieden.
Pflege und Genehmigungen
Auch grüne Entwässerungssysteme benötigen etwas Pflege: Entfernen Sie regelmäßig Laub und Sedimente aus Mulden oder Rigolen, und prüfen Sie, ob das Wasser ungehindert abfließen kann. Bevor Sie bauliche Maßnahmen umsetzen, sollten Sie sich bei Ihrer Kommune erkundigen. Manche Systeme erfordern eine Genehmigung, insbesondere wenn Sie Flächen vom Kanalnetz abtrennen möchten. Viele Städte und Gemeinden bieten zudem Förderprogramme oder Beratungsangebote an.
Ein Schritt zu klimaresilienten Städten
Wenn viele Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer auf grüne Entwässerung setzen, hat das spürbare Auswirkungen: Die Kanalisation wird entlastet, Überschwemmungen werden seltener, und unsere Städte werden grüner und lebenswerter.
Grüne Entwässerung ist mehr als nur Technik – sie ist ein Weg, Natur und Stadt in Einklang zu bringen. Und sie beginnt direkt vor Ihrer Haustür.










